Andreas Buro: Gewaltlos gegen Krieg: Erinnerungen eines streitbaren Pazifisten

Andreas Buro: Gewaltlos gegen Krieg: Erinnerungen eines streitbaren Pazifisten

„Oft wurde gesagt, die Friedensbewegung habe es nicht erreicht, die Atomwaffen abzuschaffen, die Notstandsgesetze zu verhindern oder die Abrüstung durchzusetzen, sie sei also gescheitert. Meine Antwort lautete meist: die Friedensbewegung sei die Organisatorin gesellschaftlicher Massenlernprozesse.“ In seiner Autobiografie geht Buro genau auf diese „Massenlernprozesse“ ein. Sie liest sich daher wie eine Geschichte der westdeutschen Friedensbewegung mit ihren Stationen IDK, Ostermarsch, Studentenbewegung, Vietnamsolidarität (die bei Buro länger andauerte als bei den meisten), Raketenblockaden und Blocküberwindung, Ablehnung der Interventionskriege und – aktuell – das Monitoring-Projekt weltweiter Konflikte. Denn auch international setzte er sich für Verständigung und Frieden ein, in Georgien wie als offizieller Gast in China. Wer eine „Welle“ der Friedensbewegung erlebt hat, wird sich wiederfinden, wird bekannte „AktivistInnen“ und leider vergessene Institutionen wiederfinden. Buro analysiert scharf und nüchtern, seine Gewaltfreiheit ist praktisch-vernünftig, nicht philosophisch. Und doch ist es ein sehr persönliches Buch geworden, Buro (geb.1928) schildert ausführlich seine preussische Kindheit mit Ritterakademie und Kriegseinsatz als 16jähriger, seine erste Liebe wie auch die Liebe im hohen Alter. Ergreifend die Schilderung vom tragischen Tod seiner beiden Ehefrauen. Auch seine 4 Kinder und die Enkelkinder kommen nicht zu kurz. Als Forstmann und Holzforscher hatte er angefangen, hatte eine gut dotierte Industrieposition, bis er sich zum Zweitstudium der Politologie entschied und Professor für internationale Politik in Frankfurt wurde. Und er mischt sich weiterhin ein in die „Massenlernprozesse“, sei es als gern gesehener Referent auf Friedenskonferenzen, sei es als Autor von Positionspapieren. Wir wünschen diesem flott und humorvoll geschriebenen Buch viele LeserInnen: Diejenigen, für die ein Zeitabschnitt selbst erlebte (Bewegungs-)Geschichte sind wie diejenigen, die sich erst jetzt mit der Friedensbewegung auseinandersetzen. Diese Rezension erschien erstmals vor genau 4 Jahren in der Kaulquappe. Vorgestern ist Andreas Buro gestorben. Die Lektüre seiner Autobiografie lohnt.