Vor 100 Jahren schrieb der Pazifist Alfred Hermann Fried ein Tagebuch während des 1. Weltkrieges. In verschiedenen Beiträge wollen wir Auszüge hier vorstellen. Eine umfangreiche Darstellung finden Sie unter kriegstagebuch.at

Bern, 14. Februar 1917: Die Katastrophe nimmt ihren Lauf

(…) Der Kreis der feindseligen Mächte geht jetzt geschlossen rings um den Erdball. Nur der militärischen Feste-Druff-Politik macht das nichts aus. Sie sieht über den Augenblick nicht hinüber. Was kommen kann, ja, kommen muss, ficht sie nicht an. Ihr genügt der Erfolg im einzelnen. Um das Endergebnis sich zu kümmern, ist nicht ihre Sache. Was aber das Ergebnis sein muss bei dieser Gegnerschaft der gesamten Erde, darüber täuscht sich kein Denkender hinweg. Glaubt wirklich ein Vernünftiger in Deutschland noch daran, Deutschland werde die ganze Welt zu Boden werfen können?

Zerstörte Hoffnungen! Deutschlands Interpretation der Antwort der Alliierten

Bern, 17. Januar. Die kaiserliche Kundgebung vom 12. Januar erhält Zustimmung deutscher Bundesfürsten, Handelskammern, der Reichstagspräsidenten und sonstiger Körperschaften und offizieller Persönlichkeiten. Der Ton aller Äusserungen ist auf Entrüstung gestimmt, und ihr Inhalt spricht von Vergeltung für die ausgeschlagene Friedenshand. Psychologie, mehr Psychologie, das fehlt allenthalben. Man entrüstet sich über Dinge, die ganz selbstverständlich sind, so dass die Kriegsgegner in ihren Äusserungen beleidigend und überhebend sind. Wenn man den Frieden will, darf man nicht plötzlich mit der Empfindlichkeit einer Marquise auftreten.