Beiträge, die über den neuesten Stand zu den Atomwaffensperrvertrag berichten. Wolfgang ist hier federführend!

Erfolg der 1. Verhandlungswoche zum Atomwaffenbann in NY

Diese Woche hat vieles verändert. 130 Staaten, die Mehrheit der UN-Mitglieder, kamen zusammen, um einen Verbotsvertrag auszuhandeln, obwohl die 5 permanenten Mitglieder des Sicherheitsrats (sog. P5)  und andere atomar bewaffneten Staaten sowie deren Verbündete dies nicht wollten. Sowas hatte es noch nie gegeben, das war für unmöglich erklärt worden, dass ein Thema bei der UN in Bewegung kommt, obwohl die geschlossene Front der P5  dagegen steht. Es gab dort engagierte Diskussionen unter Einbeziehung zivilgesellschaftlicher Organisationen wie der Friedensbewegung. Und nach nur einer Woche ist bereits ein grober Konsens vorhanden, was die Inhalte eines Atomwaffenverbots-Vertrages sein sollen: Einsatz und Lagerung, Stationierung, Beschaffung, Entwicklung und Produktion von Atomwaffen, aber ebenso Beihilfe an andere Staaten zu geben, sowas zu tun. Ebenso die Weitergabe an andere Staaten, damit werden Vereinbarungen wie die „Nukleare Teilhabe“ Deutschlands verboten. Außerdem ist im Katalog die Finanzierung atomwaffenrelevanter Aktivitäten enthalten, siehe die Kampagne der Friedensbewegung „Don’t bank on the bomb!“ zum Boykott der beteiligten Finanzinstitute. Die Vorsitzende der Konferenz, die Botschafterin Elayne Whyte Gomez aus Costa Rica, wird bis Ende Mai/Anfang Juni aufgrund der Beiträge einen Vertragsentwurf vorbereiten. Bei der zweiten Verhandlungsrunde ab 15. Juni hält sie eine Einigung für erreichbar! Furchtlosigkeit und Kooperationswille dieser Staaten sind bemerkenswert. Der Atomwaffenbann ist natürlich nicht das eigentliche Ziel. Er soll entsprechend dem Willen der Mehrheit der Welt die Atomwaffen ächten, damit die Friedensbewegungen in aller Welt mehr Druck auf ihre Regierungen ausüben und letztlich die atomare Abrüstung durchgesetzt wird. Da sind wir gefordert, den Ball aus New York aufzunehmen. Denn es gibt keine guten und schlechten Atomwaffen, die „unseren“ und die anderen. Alle Atomwaffen sind illegal. Sicherheit vor Atomwaffen gibt es nur, wenn wir diese weltweit abzuschaffen! Das steht endlich auf der Tagesordnung.  Und seit Jahrzehnten ist dies eine Grundforderung der Ostermärsche der Friedensbewegung!    

60 Jahre Göttinger Manifest!

Am 12. April 1957 protestierten 18 renommierte Atomwissenschaftler (die „Göttinger 18“) mit dieser öffentlichen Erklärung gegen die Pläne der damaligen Bundesregierung  zur atomaren Bewaffnung der gerade gegründeten Bundeswehr und verweigerten kategorisch ihre Mitarbeit.  Dieses Statement wurde zum Ausgangspunkt der ersten großen antinuklearen Kampagne in der Bundesrepublik (Kampagne „Kampf dem Atomtod“), die binnen kürzester Zeit Hunderttausende auf die Straße brachte. Der Text des Manifests war wegweisend für spätere Argumentationen gegen Atomwaffen wie auch für die explizite Benennung der Verantwortung der sachkundigen Wissenschaftler gegenüber der Öffentlichkeit. Sie ist hier nachzulesen:   http://www.ag-friedensforschung.de/themen/Atomwaffen/50jahre-goettingen.html   Eine aktuelle Veranstaltungsankündigung aus Berlin: Aus  Verantwortung „Nein“ gesagt zu haben zum deutschen Griff zur Atombombe, das ist die historische Leistung der  Wissenschaftler, die 1957 den Aufruf der Göttinger 18 unterzeichneten und eine Mitarbeit an der Bombe verweigerten. Weiterhin „Nein“ zur Atombombe zu sagen ist 60 Jahre danach von bleibender, dramatischer Aktualität – nicht nur wegen der milliardenschweren „Modernisierungsprogramme“ in allen Atomwaffenstaaten. (..) Die neu aufkommende Diskussion über einen deutschen Griff zur Bombe oder einer europäischen Atombombe als Reaktion auf die Politik eines aufrüstungswütigen Präsidenten der USA zeigt, Atomwaffen und ihre Abschaffung müssen wieder ein gesellschaftliches Thema werden. (Quelle: Einladung 6.4.2017, Humboldt-Uni Berlin, IALANA, INES, IPPNW, NatWiss, VDW) Selbstverständlich wollen wir im Friedensmuseum Nürnberg dieses Jubiläum nicht so vorbeigehen lassen. Allerdings möchten wir gerne auf das entsprechende Ereignis in Nürnberg verweisen: am 27.6.1957 gründete sich hier das „Komitee gegen Atomgefahren“ mit vielen honorablen Mitgliedern. Am 11.7.1957 führten sie eine große öffentliche Veranstaltung durch – in unserem Archiv haben wir eine Einladung von damals. Den Termin wollen wir für eine Veranstaltung im Friedensmuseum nutzen, freuen Sie sich drauf!