Nachstehend finden Sie lesenswerte Bücher, die wir für Sie gelesen und rezensiert haben. ALLE diese Bücher können in unserer reichhaltigen Bibliothek ausgeliehen werden.

Revolution als Realpolitik: Ernst Meyer (1887-1930)

Revolution als Realpolitik: Ernst Meyer (1887-1930)

Das Jahr 1914 lässt uns nicht in Ruhe! Wie kam es zur Zustimmung der SPD zu den Kriegskrediten – und vor allem, wie organisierten sich die Kriegsgegner*innen? Einer dieser Kriegsgegner war Ernst Meyer (1887-1930), ein Schüler Rosa Luxemburgs, studierter Nationalökonom und Psychologe. 1914 war er Vorwärts-Redakteur – doch dem SPD-Vorstand ging seine Kriegsgegnerschaft zu weit, er entließ ihn 1915 satzungswidrigerweise und nahm sogar die Polizei in Anspruch, ihn am Betreten seines Arbeitsplatzes zu hindern. Wie organisiert man Antikriegsarbeit ohne Presseorgan? Man schreibt Flugblätter und hektografiert Broschüren. Meyer gehörte zu den großen Organisatoren dessen, was die Gruppe Spartakus werden sollte (der Name stammt von ihm). Liebknecht und Luxemburg waren ja wahlweise an der Front und im Gefängnis. Meyer vertrat Spartakus auf den internationalen sozialistischen Friedenskonferenzen in Zimmerwald und Kienthal. Kriegsende – Rätebewegung – Parteigründung: Meyer war immer im Zentrum, von 1919 bis 1923 im Vorstand der KPD, auch Vorsitzender. Sein Leben in dieser Zeit entsprach der „Parteilinie“, die eher eine Serpentine war: zunächst vertrat er „ultralinke“ Positionen und war verantwortlich für die „Märzkämpfe“ (blutiger Arbeiteraufstand im Raum Halle). Nach einem Schwenk der Komintern bekannte er sich aber zur „Einheitsfront“ mit den anderen Arbeiterparteien SPD und USPD. Er blieb dieser Linie treu, als die KPD selbst wieder nach links schwenkte, was ihn den Platz im Vorstand kostete. Die „Sozialfaschismusthese“ und die Stalinisierung der KPD unter Thälmann bekämpfte er – erfolglos. Hatte er vielleicht selbst die Voraussetzungen dafür geschaffen, als er aus der Partei einen monolithischen Block („Bolschewisierung“) schaffen wollte, auch wenn intern diskutiert werden durfte? Heutige Historiker verneinen diesen Vorwurf und sehen ihn eher auf der Linie von Rosa Luxemburg. Er starb 1930 an Tuberkulose. Ein spannendes Buch für alle, die sie für Geschichte und politische Theorie interessieren. Trotz des wissenschaftlichen Anspruchs (es handelt sich um eine umgeschroiebene Dissertation) ist es leicht zu lesen. Florian Wilde Revolution als Realpolitik. Ernst Meyer (1887-1930). Biographie eines KPD-Vorsitzenden UVK Verlag Konstanz und München 29€  

OSCE Yearbook 2017

OSCE Yearbook 2017

Passend zur neuen Ausstellung „Wirksam ohne Waffen“ stellen wir Ihnen das OSZE-Jahrbuch vor, herausgegeben vom IFSH (Hamburger Friedensforschungsinstitut). Die OSZE, die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa mit ihren 57 Mitgliedstaaten und Sitz in Wien wird in der Friedensbewegung kaum beachtet – zu Unrecht! Denn hier wird das Prinzip der gemeinsamen Sicherheit noch gelebt. In den Staaten „östlich von Wien“ schwindet allerdings das Verständnis dafür, wie Gernot Erler beklagt. Die notwendige Weiterentwicklung, gerade im Menschenrechtsbereich, kam so ins Stocken. Die Autor*innen sind mehrheitlich OSZE-Offizielle oder aktive Politiker*innen, entsprechend praktisch lesen sich auch die einzelonen Kapitel. Die Brennpunkte von höchst unterschiedlichen OSZE-Missionen von der Ukraine über Skopje bis Transnistrien werden beleuchtet – und es wird klar, dass das bekannte „Monitoring“ nicht die einzige Art der Krisenbearbeitung durch die OSZE darstellt, nur das bekannteste. Dieses (englische) Buch ist geeignet, mehr über diese verdienstvolle Organisation zu lernen. Institute for Peace Research and Security Policy at the University of Hamburg (IFSH): OSCE Yearbook 2017 ISBN 978-3-8487-4786-3 69€