Spannungen, Aufrüstung, Krieg – und kein Ende?

Spannungen, Aufrüstung, Krieg – und kein Ende?

Der vorliegende Sammelband vereinigt die Plenarvorträge des 23. Friedenspolitischen Ratschlags (Dezember 2016 in Kassel). Die Rückschau 1 Jahr danach fällt sehr unterschiedlich aus: dass US-Präsident Trump ein geringerer Kriegstreiber sein soll als Obama/Clinton (Beitrag Crome) würde heute wohl auf Widerspruch stoßen. Die Mehrheit der Autor*innen vertritt einen klassisch antiimperialistischen Standpunkt, keinen antimilitaristischen: „1979 war die Lage der Regierung so hoffnungslos, dass sowjetische Militärhilfe unumgänglich wurde“ (Beitrag Barakis über die Geschichte Afghanistans). „Die“ Friedensbewegung findet sich sicherlich in dieser Einschätzung „gerechter“ Kriege nicht wieder. Überhaupt fehlen – wie beim Friedensratschlag notorisch -Beispiele pazifistisch/ antimilitaristischen Handelns von unten. Trotzdem ist der Sammelband lesenswert, als Bestandsaufnahme weltweiter Konflikte (allerdings nur, sofern der Westen darin verwickelt ist).

Kursbuch 191 – Bullshit.Sprech

Kursbuch 191 – Bullshit.Sprech

Das Kursbuch ist eine ehrwürdige Zeitschrift der 68er Bewegung. Nach Ein- und Umbrüchen wird sie seit 2012 von Armin Nassehi und Peter Felixberger viermal im Jahr herausgegeben. Die Herbstnummer 2017 widmet sich dem Verfall von und durch Sprache. Was ist Bullshit-Sprech? Schwer zu definieren – aber leicht zu erkennen. Man nehme z.B. eine ganz gewöhnliche Talkshow mit ihren notorischen Gästen und analysiere die dort übliche Sprechweise. „Hochtoxische Begriffe“ würden dort konstruiert, wie „Gutmensch“, „Putin-Versteher“ usw. , meint Autor Seeßler in seinem Essay: „Die Sprache der Verblödung“. Felixberger analysiert Bullshit in der Sportsprache (wie drücke ich einfache Sachverhalte möglichst gelehrt aus?) , während Früchtl mit Blick auf die „Wutbürger“ fragt: „Brauchen moderne Demokratien unverschämte Bürger?“ Weitere Beiträge wären zu nennen, man muss nicht allen zustimmen, interessant sind sie allemal.  Das Ganze wird aufgelockert mit Glossen (auch von Deniz Yücel) und einem Comic. Kurz: das Buch entlarvt sprachlichen Unsinn – und vielfach die Interessen dahinter. Also ein Aufklärungsbuch, dem wir viele Leser wünschen!